Wagenburg Wien

Wagenburg Wien  |  Mittlerweile nicht mehr die bisher einzige Wagenburg Österreichs

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Es könnte alles so gemütlich sein …

Dezember 3rd, 2007 · 61 Comments

Wir, die BewohnerInnen des Wiener Wagenplatzes, sind eine Gruppe von mittlerweile rund 25 Menschen.
Seit Sommer 2006 haben wir uns zusammengefunden, um gemeinsam ein Projekt zu starten: Leben in einer selbstorganisierten Gemeinschaft außerhalb der Enge von Wohnhausanlagen; das Experiment des Wohnens auf Rädern.

Realisiert haben wir diese Vorstellung im Herbst 2006 auf einem Grundstück in Wien - Simmering, auf dem wir acht Monate lang, in selbst ausgebauten Bauwägen, Bussen und LKW gewohnt haben. Unser Grundstück wurde verkauft und wir sind weiter gezogen. Wegen mangelnder Alternativen mussten wir einen Platz der Stadt „ausborgen“ - eine ungenützte Brachfläche umgeben von Tierkörperverwertung, Müllverbrennung und Kläranlage. Versuche seitens des Magistrats für Stadtentwicklung, uns einen Platz zu vermitteln, scheiterten aufgrund der MA45; uns wurde empfohlen ein privates Grundstück zu suchen. Nach gut zwei Monaten und mehreren Räumungsdrohungen, bekamen wir ein Angebot von einer Privatperson.
Seit August 2007 bewohnen wir nun diesen Platz, auch in Wien - Simmering, umgeben von Gewächshäusern und Feldern.
Hier ist zurzeit unser Lebens-Mittelpunkt, von hier aus gehen wir zur Arbeit, auf die Universität oder auch nicht … hier wollen wir selbstbestimmt und ungestört leben.

Aktuelle Situation:
Am Freitag, den 30. November, drohte uns die Baupolizei nach einer Scheinverhandlung mündlich eine Räumung an – der schriftliche Bescheid steht noch aus. Die MA37 und ein „steinharter“ Herr vom Bezirksamt teilten uns mit, dass das Leben im Wagen, zumindest auf diesem Grundstück, illegal sei. Des Weiteren stellten sie klar, dass immer Gründe gefunden werden können, die unsere Lebensform illegalisieren. Sei es durch sie oder sei es durch das Umweltamt.
So drohen uns, trotz des guten Verhältnisses zum Bezirksamt Simmering und zu den meisten NachbarInnen, erneut erhebliche Probleme.

Wir haben nun einen Mietvertrag, einen netten, informierten Vermieter und befinden uns am Rande von Wien – unsere Kooperationsmöglichkeiten sind damit ausgereizt.
Wir lassen uns das Leben im Wagen nicht verbieten!

Für uns gibt es folgende akzeptable Lösungen:
Wir können auf unserem jetzigen Platz weiter ungestört wohnen.
Die Stadt zeigt uns eine unseren Ansprüchen entsprechende Fläche, auf der unser Wagenplatz möglich ist!

Wir gehen davon aus, dass diese angeführten Lösungen für eine Stadt wie Wien keine allzu große Hürde sein können.
Wir leben in Wägen und wir leben in Wien – kein Wagenplatz ist keine Lösung!

Was wir machen:
Der Wagenplatz ist ein offenes, selbstorganisiertes und buntes Projekt und möchte dies auch bleiben:

Immer wieder gibt es verbessernde Ideen für den eigenen Wagen oder für die Infrastruktur des Platzes, die wir gemeinsam umsetzen; ein permanentes Schaffen, ein bewusstes Leben unter freiem Himmel.
Hier erproben wir umweltbewusstes Leben und einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Der Wagenplatz ist ein Raum zum Wohnen für Menschen außerhalb von vorgefertigten Wohneinheiten und Konsumszwang, in dem wir selbstbestimmt unser Miteinander und Füreinander leben.
Wir organisieren gemeinsam unseren Alltag und lösen unsere alltäglichen Probleme.
Unser Leben in nicht- hierarchischen, gemeinschaftlichen Verhältnissen und sozialer Rückhalt ist uns wichtig; genauso wie der offene Umgang und generationsübergreifendes Zusammensein.
Wir bieten Raum für kulturelle, nicht kommerzielle Veranstaltungen und sind ein Ort der Begegnung.

Auch die Stadt Wien hat erkannt:
„Generell ist alles interessant, was die Knappheit von Freiraum verringert. Das heißt, alle Freiräume, die in der Stadt nicht bzw. nicht ausreichend genutzt werden, stehen zur Diskussion. Nichts wird vorweg ausgeklammert“
(siehe: http://wien.gv.at/stadtentwicklung/06/22/02.htm Zugriff: 15.4.2007).

Ein Wagenplatz bringt der Gemeinschaft …
den praktizierten Versuch eines autonomen, nachhaltigen, alternativen Lebens
Treffpunkt für BewohnerInnen, AnrainerInnen, FreundInnen und Reisende
kreativen Freiraum, künstlerische Entfaltung für Alt und Jung
leistbaren und mobilen Wohnraum
Synergieeffekte mit bereits bestehenden kulturellen- politischen Initiativen
Ideenwerkstatt, Ort des sozialen Experimentes, der Diskussion und des Abenteuers

Nach über einem Jahr Wagenplatz in Wien ist das Projekt nicht mehr wegzudenken, was auch die zunehmende BewohnerInnenzahl, das Medieninteresse, das positive Echo aus verschiedensten Bereichen und die teilweise gute Kooperation mit einzelnen VertreterInnen der Stadt zeigt.
Wir folgen nicht dem Wahnsinn von überteuerten, steigenden Mieten, Überwachung, Konsum, und fremdbestimmten Lebenskonzepten.
Wir leben unser Leben, unsere Utopie, was sonst!
Niemand anderer kann das für uns machen und, natürlich … wir machen weiter!

Wien braucht einen Wagenplatz!

Im PDF:
wagenplatz-pressemitteilung-20071203.pdf

Tags: Allgemeines · Chronik

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