Wagenburg Wien

Wagenburg Wien  |  Mittlerweile nicht mehr die bisher einzige Wagenburg Österreichs

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Aktion gegen leere Worte- Rathaus Teil 2

Juni 23rd, 2009 · 71 Comments

“Deine Meinung ist uns wichtig”, diese Aufschrift trägt ein Briefkästchen an der Fassade des Wiener Rathauses. Dass Mensch dies dann doch nicht so wörtlich nehmen darf, durften wir heute erneut herausfinden, als wir, der Wagenplatz Wien und die Initiative Hausprojekt, die Gemeinderatssitzung der Stadt Wien besuchten, um auf die jeweilige, teils prekäre Situation aufmerksam zu machen.

Im Laufe der Sitzung wurde mehrfach, von Seiten der GemeinderätInnen, der Wusch nach Partizipation und Mitgestalltung junger Menschen geäußert. Als wir diesem nachkamen(Flublätter und Meinungsäußerungen) mussten wir enttäuscht feststellen, dass diese Schlagwörter nicht mehr als leere Phrasen sind. Wir wurden auf unliebsame Art und Weise des Saales verwiesen, schafften es aberanscheinend doch Gesprächsthema zu werden, da sich im Anschluss Heinz Vettermann undTanja Wehsely, GemeinderätInnen der SPÖ, bereit erklärten mit uns zu sprechen.Allerdings wurde dabei deutlich, dass aufgrund mangelnden internen Informationsaustausches, dieThematik Wagenleben für den Großteil der GemeinderätInnen bereits abgeschlossen war. Fakt ist, wir der Wagenplatz Wien stehen nun seit eineinhalb Jahren in Verhandlungen mitder Stadt und, wie sich heute wieder zeigte, ohne ERKENNBAREN Willen effektive und dauerhafte Lösungen zu finden. An der Tatsache, dass wir in zwei Monaten auf der Straße sitzen bzw. stehen, hat sich  nichts geändert.

Es kann nicht sein, dass legales Leben in Wägen nur auf teurem Baugrund möglich ist. Wägen gelten, laut Auslegung der Baupolizei, nämlich als Bauwerke sofern diese bewohnt werden. Dies ist irrsinnig, sowohl für den Wagenplatz als auch für die Stadt, denn einerseits sind Brachflächen, die kein Baugrund sind, für einen Wagenplatz genauso brauchbar und reichlich vorhanden. Andererseits wird durch diese Interpretation “wertvoller” knapper Baugrund, der für die Stadt anderwertig besser nützbar wäre, belegt.

Daher fordern wir eine andere Auslegung der Bauordnung oder eine eigene Widmung für Wagenleben und eine schnelle Lösung für den bedrohten Wagenplatz. Dafür braucht es den politischen Willen, in Zeiten tief greifender wirtschaftlicher Veränderungen, nach neuen Lösungen zu suchen. Ein nachhaltiger Ansatz dazu ist die Forderung nach einem Gesetz für Leerstandsnutzung, von Brachflächen sowie Gebäuden:

Forderung: Streichung des § 37 SPG “Auflösung von Besetzungen”

Gesetzesentwurf: Leerstandsnutzung

(1) Wenn eine Liegenschaft über ein Jahr weder für Bauarbeiten, gewerbliche Aktivitäten
oder zum Wohnen genutzt wird, ist deren Inanspruchnahme durch Dritte für nicht
kommerzielle Zwecke gestattet. Betriebs- und Instandhaltungskosten sind von den Nutzern
zu entrichten.

(2) Sobald die Möglichkeit der Umsetzung neuer Nutzungspläne der Eigentümerin oder des
Eigentümers nachgewissen werden können, muss die Liegenschaft innerhalb einer Frist von
einem Monat wieder verlassen werden. Der Zustand muss dabei zumindest dem Niveau vor der
Inanspruchnahme entsprechen.

(3) Wenn ein Liegenschaft über drei Jahr weder für Bauarbeiten, gewerbliche Aktivitäten
oder zum Wohnen genutzt wird oder die Zwischennutzung über ein Jahr andauert, verliert
Absatz 2 seine Gültigkeit und die Leerstandsnützerinnen und -nützer erhalten ein
unbefristetes Nutzungsrechmailt für nicht kommerzielle Zwecke.

Freiraum muss her…….legal illegal die Stadt hat die Wahl!!!

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Spontankarawane zum Rathaus

Juni 21st, 2009 · 47 Comments

Am Donnerstag den 18. Juni um ca. 12 Uhr, verließen wir, der Wagenplatz Wien, mit einem
Teil der mobilen Wohnungen (7 Wägelein) unseren (Noch)-Wagenplatz in Simmering. Anlass für
diese spontane und fetzige Karawane war, Vizebürgermeister Ludwig persönlich im Rathaus
aufzusuchen und die Gelegenheit zu nutzen, ihm einen offenen Brief zu überreichen!

Ein unverhältnismäßig-massives Aufgebot der Polizei verhinderte erstmal die Übergabe.
Nicht genug dass sie unseren bunten, lauten, vielfältigen und vor allem friedlichen Konvoi
blockierten, stellten sie auch Parkstrafen aus, aufgrund der absurden Tatsache, dass
unsere Wägen auf der Straße standen (laufender Motor und FahrerInnen anwesend).
Dass bei einer Delegation von 50 Menschen mit dem Ziel eine Stück “harmloses” Papier zu
überreichen über Stunden sämtliche Eingänge versperrt wurden, ist alles andere als
verhältnismäßig… oder hat da jemand Angst vor den Konsequenzen seiner leeren
Phrasendrescherei???

Durch ein Eingreifen der Grünen wurde eine Delegation von 10 Menschen spontan zu GästInnen
erklärt und hatten Einlass im Rathaus. Ca. 2-3 Stunden später erklärte sich
Vizebürgeermeister Ludwig nun doch gesprächsbereit. Raus kam dabei allerdings nichts,
außer leere Phrasen, die wir uns jetzt seit eineinhalb Jahren anhören müssen.
Fakt ist, er weicht von seinem absurden Vorschlag (Angebot wollen wir das nicht nennen)
von 22.000 Euro Miete pro Jahr, nicht ab.
Für uns jedoch wird die Zeit knapp, den aufgrund von leeren Versprechungen und keinem
politischen Willen von Seiten der Stadt, wie sich heute auch wieder gezeigt hat, eine
dauerhafte, effektive und zufriedenstellende Lösung für die Thematik Wagenleben zu
finden, sitzen bzw. stehen wir in gut zwei Monaten auf der Straße.
Wir sind nicht gekommen um uns vertreiben zu lassen.
Wagenleben wird möglich sein… legal, illegal, die Stadt hat die Wahl!!!

→ 47 CommentsTags: Allgemeines · Fotos Baumgasse

Platzcafe und Wagenbar

Juni 19th, 2009 · 51 Comments

Jeden Montag ab 20 Uhr gibt´s bei uns Musik und warme und kalte Getränke.

Die beste Gelegenheit den Platz und seine Bewohner_innen kennenzulernen.

Bei Regen Gummistiefel mitbringen sinnvoll.  

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Stellungnahme Juni 09

Juni 16th, 2009 · 42 Comments

 

 

Wie „anders“ ist Wien wirklich?

Über ein Projekt das nicht zur Ruhe kommen darf.

Eine ernüchternde Stellungnahme zur Situation des Wagenplatz Wien im Juni 2009.

Keine Angst, hier entsteht ein neuer Wagenplatz.

 

Gemeinschaftliches Wagenleben ist ein offenes, buntes und selbstorganisiertes Projekt. Es bietet Platz für familienähnliches, umweltbewusstes und solidarisches Zusammenleben und -wirken. Neben dieser leistbaren Wohnform ist es aber auch ein Ort der Begegnung für Alt und Jung, für AnrainerInnen und Reisende, an dem soziale, künstlerische und kulturelle Entfaltung ganz unkommerziell möglich ist.

Eine Alternative zu Vereinsamung in Betonschluchten. Friede den Wagen!

3 Jahre Wagenplatz in Wien – eine kurze Historie.

 

Im Jahr 2006 entstand auf einem privatgemieteten Grundstück der erste Wagenplatz in Wien. Nachdem das Grundstück im Frühling 2007 zum Verkauf ausgeschrieben wurde, musste der Wagenplatz weichen. Das Grundstück steht heute noch leer.

Da kein Ersatzobjekt gefunden wurde, beschlossen wir WagenbewohnerInnen in der Zwischenzeit auf ein Grundstück in Stadtbesitz auszuweichen. Um Konfrontationen zu vermeiden, entschieden wir uns für ein möglichst wertloses Grundstück, am Rande der Stadt, umgeben von Industrie und Kläranlage. Im Juni 2007 drohte die Stadt mit Räumung. Das Grundstück wäre nämlich der Lagerung von Schnee vorbehalten, und überhaupt sollten wir uns doch eine private Lösung suchen.

Nach drei Monaten im Exil, im Sommer 2007, fanden wir ein neues Privatgrundstück. Ein Mietvertrag wurde abgeschlossen, und das neue Grundstück wurde bezogen.

Leider währte das Glück nur kurz, denn die Bürokratie schläft nicht.

Im Herbst 2007 stellte die Baupolizei fest, dass Wagen sich in der Wiener Bauordnung zu Bauwerken verwandeln können (?!). Ein vernichtendes Urteil, denn zum einen war unser gemietetes Grundstück kein Bauland, und zum anderen hatte - wenig überraschend - keines unserer Fahrzeuge eine Baubewilligung.

Der Räumungsbescheid folgte und ein langwieriger Rechtsstreit mit Strafandrohungen bis zu 40.000.- pro Person begann.

Die logischen Folgen dieses Urteils waren klar: Wir verlieren wieder unseren Platz, und wir werden keine Möglichkeit mehr haben privat ein Grundstück zu finden. Baugründe in Wien sind für Normalsterbliche ja nicht gerade erschwinglich, abgesehen davon ergibt eine Rechtssprechung, in der sich Fahrzeuge in Häuser verwandeln, keinen Sinn.

Das leuchtet auch PolitikerInnen ein. Mit dem Ziel eine Lösung zu finden, starteten im April 2008 Verhandlungen zwischen VertreterInnen der Stadt und WagenplatzbewohnerInnen. Die Rahmenbedingungen waren klar: Die Stadt Wien bekennt sich zur Unterstützung des Projekts „Wagenplatz Wien“ und hilft bei der Grundstückssuche.

Nach einem Jahr Verhandlung schien sich eine Lösung abzuzeichnen. Ein Grundstück in Stadtbesitz wurde uns angeboten. Angestrebt wurde ein befristeter Vertrag auf Grundsteuerbasis. Obwohl der angebotene Platz um ein Viertel kleiner als unser bisheriger wäre, und über keinerlei Infrastruktur wie Strom, Wasser und Kanal verfügt, willigten wir ein.

Im Mai 2009 kündigten wir unseren bisherigen Mietvertrag (Frist: Ende August 09) und fingen an uns auf den Umzug vorzubereiten - doch wieder kam alles anders.

 

 

 

Die Hetz-Partei, der Umfaller und die ungewisse Zukunft.

 

Die FPÖ, die Partei die sich gegen alle „Perversionen“ - ausgenommen der Ewiggestrigen - verschrieben hat, witterte Raum für eine Hetzkampagne. Eine Homepage mit dem Titel „Wagenplatzstopp“ wurde eingerichtet, der Wagenplatz mit Behauptungen von „Müll, Lärm und Gestank“ diffamiert. „Die Aussteiger sollen doch nach Sibirien oder in die Mongolei ziehen.“

Uns, den vermeintlichen AussteigerInnen mit Lebensmittelpunkt Wien, kostete das ein müdes Lächeln, aber der SPÖ, der Partei die für ihre Standfestigkeit und Linientreue bekannt ist, wurde Angst und Bange. Allen voran Michael Ludwig, Vizebürgermeister und Stadtrat für Wohnen. Er ist zuständig und gibt die Weisungen an unsere AnsprechpartnerInnen.

Plötzlich hatte sich das Angebot „leicht“ verändert: 22.000.- Jahresmiete. Das doppelte unserer bisherigen Miete, für ein Stück Wiese, das um ein Viertel kleiner ist als unser bisheriges Grundstück, ohne Infrastruktur in einem Außenbezirk von Wien. Circa 15.000.- müssten wir noch für Strom-, Wasser- und Kanalanschlüsse ausgeben, ohne überhaupt zu wissen, auf welche Dauer der Vertrag begrenzt wäre. Laut ExpertInnenmeinung liegt das sogar über dem Marktwert!

Das entsprach keineswegs unseren Vereinbarungen.

„Schilling oder Euro“ lautete unsere logische Antwort.

Drei Tage später konnten wir auf „Radio Wien“ hören, wir hätten das Angebot der Stadt abgelehnt, eine Woche später feierte die FPÖ ihren Erfolg, den Umzug des Wagenplatzes verhindert zu haben.

 

Wer kann es ihnen auch verübeln - sind sie doch die Einzigen die in dieser Situation profitieren:

 

 In Simmering, wo wir bis Ende August noch verweilen, hat die Bevölkerung in einer Umfrage des „Bezirksblattes“ zur Frage „Sind Sie froh über den Abzug des Projekts Wagenplatz“ mit 24% Ja und 76% Nein gestimmt.

 In der Donaustadt, der eventuelle Standort des neuen Wagenplatzes, begrüßt der Bezirksvorsteher schon seit Monaten die Bestrebungen einen Platz für uns in seinem Bezirk zu finden.

 

 Die SPÖ profitiert ganz sicher nicht in der Rolle der Umfaller und Wortbrecher.

 

 Der Wagenplatz Wien steht bald buchstäblich auf der Straße. Wir müssen wieder einmal neben Job, Familie und was wir sonst so machen für Grundrechte kämpfen. Auf uns wartet kein Sommer am Strand, sondern nächtelange Diskussionen, mühsame Medienarbeit, politischer Aktionismus und eine prekäre, illegalisierte Wohnsituation. Wenn wir abends nach Hause kommen, werden wir nicht wissen, ob unser Zuhause noch da ist. Die Türen werden wieder verschlossen sein, um Nazis, DiebInnen und übermotivierte BeamtInnen abzuwehren und die Kinder müssen bei Verwandten unterkommen. Neben der Lebensenergie kosten uns unsere Bemühungen natürlich auch Geld, denn im Gegenteil zu den Parteien, finanzieren wir unsere Kampagnen ja selbst.

 

 

Das hätten wir uns nach 3 Jahren Wagenplatz und über einem Jahr Verhandlungen mit der Stadt nicht erwartet. Ist das die Zermürbungstaktik der Stadt Wien?

Bei uns bewirkt es gerade das Gegenteil:

Die Auseinandersetzung endet mit mindestens einem gesicherten Wagenplatz!

 

 

Unsere Forderungen: Leben, Wohnen, WagenDas Leben in einer Wohnung heißt wohnen.
Heißt dann das Leben in einem Wagen wagen?
und heißt es deshalb: Wer wagt - gewinnt?

 

 

Allgemein fordern wir die Legalisierung von Wagenleben.

Dafür gibt es verschiedene Modelle, die Freigabe von Brachflächen in Zwischennutzung, eine Sonderwidmung „Alternative Wohnform“, permanente, freizugängliche Plätze, eine Besetzungsregelung gegen Immobilienspekulationen oder eine Ausnahme für Wohnfahrzeuge in der Straßenverkehrsordnung. Diese oder ähnliche Modelle gibt es auch in anderen EU-Ländern.

Nebenbei fordern wir natürlich - im Einklang mit den CamperInnen - die Aufhebung der GoBox-Pflicht für Wohnfahrzeuge über 3,5 Tonnen.

 

Konkret für uns fordern wir nutzbare Fläche die in Größe, Infrastruktur, Anbindung und Konditionen zumindest unserem bisherigen Mietgrundstück entspricht und längerfristig abgesichert ist.

Und das innerhalb der nächsten 3 Monate.

 

 

 

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Von wegen neuer Platz!

Juni 16th, 2009 · 53 Comments

Wien 10 Juni 09

Der Wiener Wagenplatz

Seit fast zwei Jahren sind wir nun in Verhandlungen mit der Stadt Wien um ein geeignetes Grundstück zur Verwirklichung unserer Vorstellungen vom alternativen Wohnen zu finden. Von Seiten der Stadt wurden uns 3 ExpertInnen (Frau Kleedorfer von der MA 18 Mehrfachnutzung, Herr Orner von der Geschäftsgruppe Wohnen und Herr Florianschütz als Mediator) zur Seite gestellt. Anfang Mai war endlich ein geeignetes Grundstück gefunden und die Konditionen weitestgehend festgelegt. Uns wurde ein Prekariatsvertrag angeboten, der bedeutet hätte dass wir außer der Grundsteuer in Höhe von 500 Euro jährlich keinen Mietzins hätten zahlen müssen. Dafür sollten wir das Grundstück selbst erschließen und wären theoretisch jederzeit kündbar. Wir willigten ein. Bis zum endgültigen Vertragsabschluß und Erledigung einiger kleiner Formalitäten - wurde uns gesagt - seien es nur noch wenige Wochen. Also wurde unser bestehender Mietvertrag gekündigt und wir bereiteten alles für die bevorstehende Übersiedlung vor.

Zu früh gefreut: Nach einem zu erwartendem Aufschrei der FPÖ Wien, welche mit einer für sie üblichen Hetz-Kampagne gegen uns wetterte, hieß es die Stadt würde wieder Geld zum Fenster rausschmeißen um uns Asozialen ein Grundstück zu schenken. Um dieses Argument zu entlasten fragte uns die Stadt, ob für uns auch ein richtiger Mietvertrag in Frage käme. Ein Angebot der Stadt folgte umgehend. Dieses bezifferte den jährlichen Mietzins auf 22.000 Euro. So war’s nicht vereinbart. In Antwort erklärten wir warum ein Mietzins in dieser Höhe für uns nicht in Frage käme. Am nächsten Tag erfuhren wir aus dem Radio wir hätten das „überaus großzügige“ Angebot der Stadt leider abgelehnt.

Die Stadt zieht sich aus der Verantwortung, SPÖ trickst um FPÖ Interessen durchzusetzen.

Das Verhandlungsteam der Stadt wurde wieder zurückgezogen. Da wir das Angebot abgelehnt haben sieht die Stadt keine weitere Zuständigkeit bei sich und lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strasse stehen.

Für das Grundstück auf dem wir zurzeit noch stehen läuft in Kürze der Mietvertrag aus. Abgesehen davon dürfen wir hier sowieso nicht bleiben da dieser Grund keine Widmung als Bauplatz aufweist, unsere Fahrzeuge aber als Bauwerke gelten. Der Antrag unsere Lebensform als Zeltplatz zu deklarieren wurde abgelehnt da „es sich nicht um einen Zeltplatz im klassischen Stile handelt“.

Was uns wirklich stört:

Seit eineinhalb Jahren waren wir nun in Verhandlungen mit der Stadt und die für uns zuständigen Personen hatten die Gelegenheit sich in unsere Problemlage hineinzuversetzen. Verschiedenste Grundstücke wurden von uns vorgeschlagen, die meisten kamen aber wegen bürokratischer Schwierigkeiten nicht in Frage. Unsere sehr geringen Ansprüche sind unseren GesprächspartnerInnen klar geworden und zielorientiert wurde eine Lösung erarbeitet.

Jetzt, nach dem Aufschrei der FPÖ, wurde das, was vorher rein organisatorische Herausforderung war politisiert und die Problemlösung an andere mit der Sachlage gar nicht vertraute EntscheidungsträgerInnen abgegeben.

Uns nach fast zwei Jahren Ungewissheit, Behördenrepressionen, Gutachtenerstellung, Gerichtsverfahren und regelmassigen Gesprächen mit dem Verhandlungsteam der Stadt ein Grundstück dieser Art für einen jährlichen Mietzins von 22.000 Euro anzubieten, zeigt sehr deutlich wie realitätsfremd und zur pragmatischen Problemlösung unfähig die EntscheidungsträgerInnen der SPÖ zur Zeit sind. Aber dieses Angebot sollte anscheinend auch gar nicht unsere Probleme lösen, ging es doch nur darum die Forderungen der FPÖ durchzusetzen und dabei den Schein zu wahren wir hätten uns selbst gegen das Grundstück entschieden.

Das ursprüngliche Angebot von 500 Euro Grundsteuer und der knapp zwei Wochen später vorgeschlagene Mietzins von 22.000 Euro entspricht einer Steigerung um 4300%. Selbstverständlich lehnten wir ab, denn noch lange sind wir kein „Waachen-Platz“. Unsere Ablehnung schien der Stadt sehr recht zu kommen, vielleicht war sie sogar einkalkuliert. Der verantwortliche Bezirksvorsteher konnte nun die FPÖ-Funktionäre unverbindlich mit den Worten: “Regt´s euch nicht auf, die kommen eh nicht, haben ja abgelehnt“ beruhigen.

Parteipolitisches Problem gelöst. Wir stehen wieder am Start, ziehen keine 2.000 Euro ein, im Gegenteil: Unser Mietvertrag in Simmering ist gekündigt, jederzeit kann die Baupolizei uns mit Strafen im 5-stelligen Bereich drohen und unserem Verhandlungsteam wurd die weitere Verantwortlichkeit abgenommen. Für die Politik soll das Problem damit erstmal wieder in Vergessenheit geraten. Bald ist Sommerpause und kurz darauf auch schon wieder Weihnachten…

Für uns sieht die Lage anders aus: Die Tatsache nicht zu wissen wo wir nächsten Monat stehen werden, stellt eine Belastung dar welche sich in allen Bereichen des Lebens manifestiert. Der nächste Winter rückt näher, doch anstatt uns auf diesen wirklich vorbereiten zu können müssen wir wieder überhaupt darum kämpfen dass irgendjemand von der Stadt bereit ist mit uns zu reden und eine Lösung zu finden. Einige von uns studieren und Prüfungen stehen Ende Juni vor der Tür. Anstatt dass wir uns auf diese konzentrieren können, heißt es darum zu betteln in naher Zukunft nicht von irgendwelchen Behörden „besucht“ zu werden. Immer wieder heißt es den Stress abzuschalten um die alltäglichen Herausforderungen anzugehen. Jene welche eine solche Distanzierungsfähigkeit nicht haben leben teilweise schon im Exil bei irgendwelchen FreundInnen oder Verwanden.

Private Personen lehnen eine Vermietung ihrer Grundstücke an Menschen die in Wägen wohnen grundsätzlich eher ab. Ob dieses aus Vorurteilen gegen Menschen welche in Wagen wohnen oder aus Angst und wie sich zeigt berechtigten Bedenken mit den Behörden Schwierigkeiten zu bekommen geschieht, sei mal dahingestellt.

Was wir wollten war irgendwo im Freien leben, den Ausgleich in einer zunehmend vom Leistungsdruck dominierten Gesellschaft finden indem wir uns Wind, Wetter und den Jahreszeiten aussetzen. Was wir seit fast drei Jahren bekommen haben ist, neben den Herausforderungen der Natur, ständige Diskussionen und Rechtfertigungen vor Behörden und deren VertreterInnen und eine permanente Ungewissheit ob der nächste Bescheid unserer Lebensweise ein Ende bereitet. Wo bleibt da noch Luft sich mit den eigentlichen Verantwortungen auseinanderzusetzen?

Wir fordern:

Wir fordern eine sofortige Wiederaufnahme der Gespräche und ernsthafte Bemühungen dem Wiener Wagenplatz endlich seine legale Existenzberechtigung zukommen zu lassen.

Nachdem das dem für uns bisher zuständigen Verhandlungsteam der Stadt Wien von höheren EntscheidungsträgerInnen alle Kompetenz- und Entscheidungsbefugnisse entzogen wurde fordern wir eben diese auf mit uns Kontakt aufzunehmen um eine alle zufriedenstellende Lösung zu erarbeiten.

Die Taktik mit welcher die SPÖ versucht unser vor drei Jahren in Leben gerufenes Projekt zu vernichten ist alles andere als bürgernah, offen und ehrlich. Wir empfinden es als falsch, hinterhältig und asozial.

Diese Methoden können wir nicht akzeptieren denn stehen sie im Gegensatz zu aktuell geförderten Sozialreformen. Wir sehen uns als aktive, unseren Lebensraum selbstgestaltende Menschen welche auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit mehr Wert legen als in jeglichen Bestimmungen und Stadtplanungen vorgesehen ist.

Unsere ursprüngliche Forderung ist übrigens ziemlich anspruchslos. Wir suchen ein Grundstück in oder um Wien, welches zwischen 3000 und 5000 Quadratmeter groß ist. Im Idealfall ist es soweit erschlossen dass die gängigen Anschlüsse vorhanden sind. Dies ist aber alles andere als ein muss Kriterium, viel wichtiger ist dass wir die Gewissheit haben dort auch wirklich ein paar Jahre ungestört bleiben zu dürfen. Da unsere Gruppe aus vielen, motivierten und handwerklich geschickten Menschen besteht haben wir keine Probleme uns die Infrastruktur selber aufzubauen bzw. instand zu setzten.

Was wir machen:

Der Wagenplatz ist ein offenes, selbstorganisiertes und buntes Projekt und möchte dies auch bleiben:

Immer wieder gibt es verbessernde Ideen für den eigenen Wagen oder für die Infrastruktur des Platzes, die wir gemeinsam umsetzen; ein permanentes Schaffen, ein bewusstes Leben unter freiem Himmel. Hier erproben wir umweltbewusstes Leben und einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen. Der Wagenplatz ist ein Raum zum Wohnen für Menschen außerhalb von vorgefertigten Wohneinheiten und Konsumzwang, in dem wir selbstbestimmt unser Miteinander und Füreinander leben. Wir organisieren gemeinsam unseren Alltag und lösen unsere alltäglichen Probleme. Unser Leben in nicht hierarchischen, gemeinschaftlichen Verhältnissen zu gestalten und sozialer Rückhalt zu gewähren ist uns wichtig; genauso wie der offene Umgang und generationsübergreifendes

Zusammensein. Wir bieten Raum für kulturelle, nicht kommerzielle Veranstaltungen und sind ein Ort der Begegnung.

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Stellungsnahme der Schattenparker zu den Äußerungen der Wiener FPÖ in Bezug auf die WagenbewohnerInnen in Wien

Juni 5th, 2009 · 1 Comment

Mit einer Mischung aus Entsetzen und bitterer Heiterkeit mussten wir die Äußerungen und Aktivitäten der Wiener FPÖ in Bezug auf die seit nunmehr 3 Jahren existierende Wagenburg in Wien zur Kenntnis nehmen.

Wir als Wagenburggruppe schattenparker, die enge freundschaftliche Verbindungen zu den WagenbewohnerInnen in Wien pflegen und selbst seit mehreren Jahren einen Kampf um die Daseinsberechtigung alternativer Lebenskonzepte führen, können eine derartig unreflektierte diffamierende Agitation nicht kommentarlos hinnehmen.

Überall in Europa und an vielen Orten der Welt ist das mobile Leben in Bau-, Zirkus-, Wohnwägen, Bussen und LKW weit verbreitet. Die so lebenden Menschen verfolgen unterschiedliche Motivationen, diesem Lebensstil nachzugehen. In vielen Städten ist diese Wohnform bereits anerkannt und die Vorzüge, die diese Alternative aufzeigen sind auch mehrfach wissenschaftlich belegt. Sei es aus städtebautechnischen, ökologischen oder sozialen Gesichtspunkten. Wir empfehlen der FPÖ auf diesem Wege sich einmal über moderne Konzepte urbanen Zusammenlebens zu informieren. (beispielsweise auf unserer Homepage: www.schattenparker.net)

Die Argumentation der rechtspopulistischen Partei belegt deren unreflektiertes Verharren im Mittelalter. Ihre rassistischen Ideologien der Fremdenfeindlichkeit, längst überkommene Ideen patriarchaler Familien- und Gesellschaftsvorstellungen, sowie totalitärer Sicherheitswahn zeugen von einer Partei die mit der Realität des 21. Jahrhundert nichts gemein hat.

Dass Mensch wenn die FPÖ von „hygienischen Zuständen wie in der dritten Welt“ spricht leider automatisch an eine „Rassenhygiene“ denkt, die Menschen aus den unterdrückten Ländern der Dritten Welt aussortiert, gibt dem ganzen nicht nur einen enorm bitteren Beigeschmack, sondern veranlasst uns verstärkt dazu über eine Resolution bzw. direkte Aktionen gegen die menschenverachtenden Äußerungen der FPÖ nachzudenken.

Die Wagenburg Wien hat in ihrer Stellungnahme gegen die FPÖ Äußerungen ausreichend bewiesen, dass die weltoffenen, Welt erfahrenen, multikulturell und antinational denkenden Menschen eher in Simmering auf vier Räder wohnen als dass sie im 22. Bezirk im Gemeinderat sitzen.

Wir schließen uns den Aussagen unserer Wiener Mitstreiter an indem wir hoffen, dass die Menschen in Wien und Österreich entgegengesetzt zur FPÖ mehr Weitsicht besitzen und alternative Wohn- und Lebenskonzepte wert schätzen und billigen.

Eine tolerante, friedliche, zukunftsfähige Welt basiert auf den Konzepten des Kulturaustausches, der Überwindung der Profitgier des kapitalistischen Systems sowie dem Dialog über und mit alternativen Lebens- und Gesellschaftskonzepten.

Menschenverachtende, faschistoide und kleinkarierte Ideologien sollten längst auf dem „Schrottplatz“ der Geschichte abgeladen worden sein.

In diesem Sinne

Mehr Wagenplätze für Wien und die ganze Welt

Kein Fußbreit den Faschisten aus der FPÖ und sonstwo

Viele Grüsze aus Freiburg im Breisgau (Germoney)

Die Schattenparker

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