Wagenburg Wien

Wagenburg Wien  |  Mittlerweile nicht mehr die bisher einzige Wagenburg Österreichs

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Nachruf auf die Wagenplatzdemo/parade vom 20.12.2008

Januar 22nd, 2009 · 48 Comments

Nach Tagen der Vorbereitung voller Regen, „Gatsch“ auf unserem Acker und trotzdem guter Laune waren wir doch sehr überrascht, dass uns die Staatspolizei bereits eine Stunde nach der Anmeldung der Demonstration besuchte und den Veranstalter verlangte. Die ursprüngliche Route wurde auf absurde Weise gekürzt, anfangs wollte die Staatsmacht uns eine fahrende Demonstration sowieso verbieten – wir sollten einfach eine Standkundgebung auf dem Schwarzenbergplatz machen. Weiters wurde versichert, dass auf jeden Fall 600 Polizeikräfte zur Verfügung stehen werden, um sicher zu stellen, dass die Polizei tun könne, was sie wolle.
Im Endeffekt gab es dann trotzdem eine/n Demonstrationszug/Parade: schon bei der Ankunft der Wägen am Schwarzenbergplatz wurde die extreme Polizeipräsenz in Lächerlichkeit gezogen: ca. 10 wahnsinnig gut-gelaunte, auffallend hübsch-verkleidete Menschen sprangen aus den drei Fahrzeugen und tanzten vor den in etwa 400-600 anwesenden PolizistInnen.
Die Stimmung war also äußerst gut, auch wenn die Aktion zu Höchstzeiten nur etwa 40-60 Menschen umfasste. Auch das Wetter war für Ende Dezember bis auf den Regen sehr angenehm. Der Demonstrationszug gab dann ebenso ein merkwürdiges Bild: die 3 Fahrzeuge und etwa 40-60 Demonstratinnen wurden von Polizeiwägen verfolgt, die in etwa zweimal soviel Platz einnahmen, wie die gesamte Parade. Soviel zum Thema dazu, dass die ursprüngliche Demo-Route den Verkehr zu sehr verhindert hätte. Diese Aussage ist als reine Schikane von Seiten der Obrigkeiten zu werten und auch die vielen dem Konsumwahn nachgehenden Passantinnen fragten verdutzt, was wir denn verbrochen hätten, dass eine dermaßen kostspielige Polizeipräsenz notwendig wäre.
Nun ja, dass fragen wir uns auch, aber von Zeit zu Zeit wurde auch der Polizei bewusst, dass sie sich mit ihrem Riesenaufgebot wohl eher selbst lächerlich macht. So verschwanden im Laufe des zwei-drei-stündigen Straßenfests alle Polizeiwägen, bis auch in etwa zehn. Beim Straßenfest, dass also der in etwa 30-45-minütigen Demonstration folgte, hab es Glühwein, Tee, Suppe und beheizte Wägen, um sich aufzuwärmen, ausgewählte Musik und Redebeiträge zur aktuellen Lage des Wagenplatzes Wien, des Wagenplatzes „Schwarzer Kanal“ in Berlin und zu anderen autonomen, emanzipatorischen Strukturen.
Abschließend gab es noch eine Feuershow mit Tall-Bike-Einlage – hier blieben sogar die dem letzten Konsumwahn-Samstag verfallenen Massen von Passantinnen ein wenig stehen. Sogar die Polizistinnen überlegten wohl kurz, ob sie uns das Feuerspielen verbieten sollten, dann wurden aber auch ihre Augen immer größer.
Um etwa vor 17 Uhr wurde die Aktion für beendet erklärt und diesmal verzichtete die Polizei auch auf etwaige Kontrollen und Schikanen bei der Heimfahrt der Wägen. Alles in allem war die Polizei wohl überrascht von der Buntheit und der ausgelassenen Stimmung der Demonstration/Parade. Wie schon oben bemerkt, kamen sie sich selber bald lächerlich vor, als sie merkten, dass sie die einzigen waren, die wohl auf Konfrontationskurs eingestellt waren, jedoch auf die Provokation in Form des massiven Aufgebots hat sich niemensch der DemostrantInnen eingelassen.
An alle Leute, die jetzt (zu Recht!) ein schlechtes Gewissen haben: ein näxtes Mal kommt bestimmt!

101 Wagenplätze für Wien!
Schwarzer Kanal bleibt!
Die Stadt sind wir alle! Für mehr autonome Kultur- und Lebensräume!
La lucha sigue!

Tags: Allgemeines

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